logo
  • 08FEB1995
    Applaus ist der größte Preis 1995

    Sondershausen (pro). Ballett ist ihr Leben – der Applaus ihr größter Preis: Louiza Radeva.

    Seit 18 Jahren tanzt die bulgarische Balletteuse auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Erfolgreich an der bulgarischen Staatsoper über belgische Bühnen, fand sie 1990 am Nordhäuser Theater nicht nur die berufliche Herausforderung, sondern auch ihren Ehemann.

    Applaus ist der größte Preis
    Traditonen der Musikstadt fortsetzen möchte die Tänzerin mit den kürzlich begonnen Ballettkursen in Sondershausen. Mehr als 50 Bewerbungen gingen bereits beim ersten Kurs ein. Das ECHO besuchte die gebürtige Bulgarin zu einem Gespräch in ihrer Nordhäuser Wohnung.
    Überraschend folgte dem Empfang die Einladung zu duftendem Kaffee und leckerem Naschwerk. Die Frage nach der Diät drängt sich förmlich auf. Doch das sieht Louiza Radeva völlig unproblematisch.

    „Sicher, die Figur ist das Problem einer jeden Tänzerin, und wenn es Not tut, halte ich mich auch an einen Diätplan, aber sonst esse ich das was mir schmeckt.“
    Sie geben seit vier Wochen in Sondershausen Ballettunterricht.

    F: „Wie ist die Nachfrage und was für Ziele setzten Sie sich?“
    A: „Die Beteiligung übertifft meine Erwartungen. Bis jetzt unterrichte ich einmal wöchentlich, später möchte ich noch erweitern. Bei klassischer Musik studiere ich mit den Kindern zunächst das Trainingsprogramm ein. Wird das beherrscht, gehen wir zu kleinen Tänzchen über. Wichtig ist: Nicht der Erfolg zählt. Für die Kinder müssen Spaß und Freude dominieren.“

    Für die 29 jährige Lehrerin begann die tänzerische Laufbahn bereits mit fünf Jahren. Vor ihrem Erfolg auf weltbekannten Bühnen stand Ehrgeiz und unerschöpflicher Fleiß.
    Die Tänzerin weis: Um sich den Erfolg zu sichern, muß man ständig aktiv sein. Dafür zahlte sie einen hohen Preis. Ihre Kindheit verbrachte sie in Balletträumen und Turnhallen. Mit neun Jahren folgte ihr erster Auftritt an der Staatsoper in Sofia. Louiza tanzte „Dornröschen“ und die „Nußknackersuite“. Mit 18 Jahren besuchte sie als Tänzerin die staatlich Choreografische Schule. Bald folgten Fernsehauftritte. Für sie erfüllten sich Kinderträume.
    Doch sieben Stunden Probe am Tag wurden Normalität.

    A: „Aber ich erhielt einen guten Preis – den Applaus. Wenn der Zuschauer sagt ’sie tanzt leicht‘, darin habe ich mein Ziel erreicht und bin zufrieden“, gesteht sie bescheiden ein.
    Louiza Radeva kommt beim Erzählen schnell ins Schwärmen – Ballett ist ihr Leben.
    Ihr Vorbild sieht sie in Evelyn Harth. Gern tanzen möchte die Frau, die schon als „Die schwer erziehbare Tochter“ und „Esmeralda“ auf der Bühne stand.

    F: „Gisell“ – Was machen Sie, wenn Sie nicht tanzen?
    A: „Ich sehe mir auch sehr gern Ballettaufführungen an. Fasziniert hat mich „Das Phantom der Oper“. Kochen und Stricken gehören auch zu meinen Leidenschaften.“

    Die Erfahrungen in Tanz und Choreographie möchte die Tänzerin nun als Ballettlehrerin an den Nachwuchs weitergeben. Über das große Interesse in Sondershausen ist sie sehr erfreut und verspricht sich schon bald die ersten Erfolge. Doch Schönheit und Grazie beim Tanz sind nur durch unermüdliches Training möglich, eine Tatsache, die auch der Sondershäuser Nachwuchs schon bald zu spüren bekommen wird.

    Quelle: ECHO – 9.02.1995